Kolumne - 15.08.10

Quo vadis USA und China: XXL Aufschwung oder Abschwung?

Quo vadis USA und China? Nach der erfreulichen Sommerrallye bis zum 6. August fragen sich jetzt die Anleger und Analysten, wie es mit der US- und Chinakonjunktur weitergehen wird. In den USA deutete sich zuletzt eine Produktivitätsverschlechterung an, was auch der Wall Street einen Dämpfer gab. Zudem stagniert der Aktienmarkt mit einer historisch hohen Arbeitslosenquote von 9,5%. Das von Obama angekündigte Job-Wunder mit 4 Mio. neuen beschäftigten blieb bisher aus. Zudem könnte sich die in Zukunft etwas restriktiver Haltung der FED bei dem Kauf von Schrottanleihen auch negativ auf die Kreditvergabe auswirken. Obama ist an der Wall Street nicht nur wegen der Finanzmarktreform wenig beliebt.  Im Herbst finden Kongresswahlen in den USA statt und dann wird Obama ordentlichen Gegenwind bekommen.

Außenpolitisch muss er schon bald die Iran-Frage klären, da das Atomkraftwerk in Iran dann offiziell ans Netz geht. Die bisherigen Sanktionen haben erwartungsgemäß nichts bewirkt und auch die zukünftigen werden an der Grundhaltung der Iraner nichts bewirken. Der Iran überlegt seinerseits, die zukünftigen Öl- und Gaslieferungen nicht mehr in Dollar oder Euro abzurechnen, was ein Affront gegen die Amerikaner ist. Angeblich hat die USA den Irak vor allem deswegen militärisch angegriffen, weil auch Saddam Hussain zuvor die Öllieferungen nicht mehr in Dollar abrechnen wollte.

 Der Iran pflegt gute Beziehungen zu China, so dass hier ein weiteres Konfliktfeld vorprogrammiert ist. Gibt es also einen Iran-Krieg als angebliche ultima ratio? Viele Anleger und Analysten haben diese Möglichkeit schon gar nicht mehr in Blickpunkt; dabei ist ein schneller Luftangriff von Israel keineswegs ausgeschlossen und auch schon strategisch von  den Hardlinern seit langem  vorbereitet. Möglich  ist hier sogar ein Alleingang Israels ohne direkte US-Beteiligung. Im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung würde sofort der Ölpreis in die Höhe schießen, was wiederum das Inflationspotential erhöht. Dies wiederum würde die FED und andere Notenbank in Bedrängnis bringen, da sie dann an der Zinsschraube drehen müssten. Im Falle eines Iran-Krieges werden auch die Welt- und Ostbörsen einbrechen, so dass der Anleger dann in Liquidität gehen sollte. Vor kurzem begann die Ramadan-Zeit und das bedeutet auch für die Araber die Zeit der Mäßigung und des Innehaltens. Hoffentlich hält sich auch Obama daran.

 Der zweite Brennpunkt der Welt ist China, der alle  Aufmerksamkeit verlangt, nicht nur weil sich im Herbst ein Handelskrieg zwischen den USA und China möglich ist. China wächst weiterhin mit zweistelligen Prozentsätzen am dynamischsten auf der ganzen Welt und hat nun auch die USA als weltgrößten Importeur mit weit über 1 Billion USD an Importen erstmals abgehängt. China wird in diesem Jahr auch nach den USA, aber erstmals vor dem Erzrivalen  Japan, mit einem BSP von über 5 Billionen USD zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt avancieren, womit sich schon ein Paradigmawechsel abzeichnet. Von den China-Importen hängen auch viele Rohstoffpreise ab, so dass Anleger zu Recht immer wieder die weitere Entwicklung in China mit Argusaugen betrachten. So würde ein BSP-Wachstum von unter 10% in China wie eine Rezession aufgefasst. Zudem gehen viele Analysten von einem Immobilien-Bubble in China aus und prognostizieren einen Crash bei den Immobilienpreisen von 60% in der Zukunft.
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In jedem Fall kann sich die Weltwirtschaft kein „Double Dip“ erlauben, da dann der Staatsbankrott schneller droht als vielen lieb ist. Ich rechne aber zunächst mit einer Konjunkturverlangsamung, wobei die Hoffungsträger weiterhin die Emerging Markets bleiben. Ich verstehe allerdings nicht, dass viele Börsendienste jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen, so als ob es die Krise in 2008 nicht gegeben hätte. Es handelt sich weiterhin um einen „Tanz auf dem Vulkan“ nur das der Vulkan nicht schon wieder ausgebrochen ist. Übrigens ist auch das April-Ereignis Vulkanausbruch, das die Welt in Stillstand versetzte, schon fast wieder vergessen, was nachdenklich stimmt.

Ein weiterer Risikofaktor bleibt das Thema Klimawandel. Die Überflutungen in Pakistan und China ,mit jeweils schon über 1000 Toten auf der einen Seite und die verheerenden Waldbände in Russland mit über 50 Toten auf der anderen Seite sind eindeutige Signale der Natur, die nicht mehr im Gleichgewicht ist, was fatale Auswirkungen für die Zukunft hat. Klimakatastrophen sind auch ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor, nicht nur für Versicherungen.

Ich betone auch immer wieder, das Wasser ein knappes Gut wird, da in vielen Ländern der  Welt schon jetzt Wassermangel herrscht. In Pakistan und vielen Teilen Chinas herrscht akuter Trinkwassermangel. Auch in Nordafrika leidet die Bevölkerung unter der zu großen Hitze. Hoffnung macht hingegen das Energieprojekt „Desertec“ in der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika), zunächst in Marokko in der Sahara in der Höhe des Atlas-Gebirges, das später einmal 10-15% des europäischen Energiebedarfs decken soll. Es handelt sich um das ambitionierteste Infrastrukturprojekt der Welt, das auch Weltgeltung erhalten soll. Dabei sollen Solarkraftwerke in der nordafrikanischen Wüste  mit einer Leistung von 50 Megawatt bestehend aus 360.000 qm Spiegelfläche und 15.000 Receivern entstehen. Desertec ist ein globales Konzept, das in gar nicht so ferner Zukunft helfen könnte, den CO2-Ausstoss zu vermindern. Es funktioniert wie ein Kohlekraftwerk, nur das anstelle der Kohle konzentrierte Sonnenenergie über riesige Parabol-Spiegel zu Wasserdampf verarbeitet und zur Energiegewinnung benutzt wird. Sonne gibt es  genug in Marokko und Algerien. Die Effizienz ist daher wesentlich höher als bei den herkömmlichen dezentralen Photovoltaik-Anlagen. Es kommt nun darauf an, wie das Projekt konkret finanzierbar ist, das es einige Mrd € kosten wird. Zur Wettbewerbsfähigkeit des Konzeptes wird es ausschlagend sein, wie teuer der Solarstrom aus der Wüste schlussendlich sein wird inklusive der nicht unerheblichen Transportkosten. Hier gibt es noch sehr unterschiedlichen Prognosen.  Die Experten des DIW gehen davon aus, das es sich langfristig die Stromkosten durch Hinzufügung von Wüstenprojekten senken lassen.

Desertec ist seit 2003 ein Langfristprojekt des Club of Romes zur Lösung des Problems Klimawandel. Initiator der ab dem 1. Oktober 2008 gegründet DESERTEC Stiftung war die Munich Re (Ex Münchener Rück), die auch umfangreiches Material zum Thema  Klimawandel hat. Dis hat auch gute Gründe, denn Rückversicherungen sind in hohem Masse von Klimawandel als Kostenfaktor betroffen. Die Desertec Foundation hat nun mit 11 weiteren Unternehmen aus Deutschland (darunter auch EON und RWE), Spanien und Algerien  im Oktober 2009 die Industrieinitiative Dii GmbH ins Leben gerufen, die das Projekt „Solarstrom aus der Wüste“ konkret umsetzen soll. Von arabischer Seite wird das Projekt besonders von Prinz Hassan Bin Taljal aus  Jordanien unterstützt.



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Autor: (am), Quelle: Andreas Männicke


 

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