06.12.09
Währungsreform in Nordkorea führt zu noch größerem Elend, kommt es zur Aufruhr ?
Nordkorea, das Land hinter dem eisernen Vorhang hinter welchen kaum einer zu sehen vermag, führt nach 17 Jahren wieder seine so genannte Währungsreform durch.
Richtig nach außen drang das Vorhaben erst am 01. Dezember und das eher spekulativ.
Welche Geheimniskrämerei dahinter steckt, zeigt das Agieren gegenüber den Jahren 1959, 1979 und 1992, als Währungsreformen durchgeführt wurden und eine unverzügliche Berichterstattungen durch das Organ der Arbeiterpartei „Rodong Shinmun“ erfolgten. Nicht einmal die staatliche Korean Central News Agency verkündete diese tiefeinscheidende Reform.
Die südkoreanische Nachrichtenagentur „Yonhap“ bestätigte erst am 03. Dezember unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul diese Maßnahme. Südkoreas Regierung hatte mehrere Staaten, die in Pjöngjang vertreten sind, um Informationen gebeten.
Erst am vergangenen Freitag kam durch die in Japan ansässige pro-nordkoreanische Zeitung „Chosun Shinbo“ eine gewisse offizielle Bestätigung. Darin hieß es, dass bereits am 30. November eine Währungsreform in Kraft getreten sei und dass der Umtausch des Geldes landesweit bis heute durchgeführt werde. Wie lange im Vorfeld die Bevölkerung durch das Regime informiert wurde, kann man wohl kaum bestimmen.
In einem sind sich die Beobachter und mit Nordkorea Vertraute einig, diese Geldwandlung schickt Schockwellen durch Nordkorea. Die Bürger sind versucht, auf dem Schwarzmarkt in den stabileren Dollar und dem chinesischen Yuan zu wechseln.
Grund für die Zurückhaltung von Informationen scheint, dass es für den nordkoreanischen Potentaten Kim Jong Il, seiner kommunistischen Clique und dem hörigen Militär, kreuzgefährlich werden könnte.
So soll es bereits landesweit zu Protesten gegen diese Reform gekommen sein. Das schrieb die japanische Zeitung „Sankei Shimbun“ unter Berufung auf einen südkoreanischen Regierungsbeamten.
Mit dem Beginn der Währungsreform sei der Warenverkehr fast zum Erliegen gekommen. Immer mehr Restaurants hätten Schwierigkeiten mit der Preisfestsetzung und müssen vorübergehend schließen. Besonders heftige Einwände von Selbständigen würden erwartet, da deren Zahl seit der Wirtschaftsreform 2002 drastisch zugenommen habe, so die Zeitung.
Laut der russischen Zeitung „Komersant“, soll die nordkoreanische Regierung die Armee in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt haben.
Man kann die Währungsreform als eine so Genannte bezeichnen, da sie schlichtweg das bisherige Geld kurzerhand entwertet. Zwar kann das alte Geld gegen Neues eingetauscht werden, allerdings nur bis zu einer Höchstgrenze von umgerechnet rund 60 Dollar für Bargeld und 120 Dollar für Bankeinlagen. Jeder Geldbetrag, der darüber hinausgeht, verfällt wertlos.
Der Wechselkurs soll laut „KBS World“ 1.000 alte Won zu 10 neuen Won betragen. KBS beruft sich bei seinen Informationen auf in China aktive nordkoreanische Kaufleute.
Offiziell will Pjöngjang mit der Reform die Inflation zügeln und Schwarzgeld vom Markt nehmen.
Damit beraubt das Regime ihre ohnehin bettelarme Bevölkerung um ihr sauer Erspartes.
Fast noch schlimmer ist, dass durch die Reform vor allem den privaten Händlern das Handwerk gelegt werden soll. Der Verkauf von Lebensmitteln und anderen Waren auf privaten Märkten ist nach den Gesetzen des Landes illegal. Allerdings schätzen internationale Beobachter, dass fast die Hälfte der nordkoreanischen Lebensmittelproduktion in diesem Schattensektor stattfindet. Wenn dieser fortfällt und gleichzeitig Millionen Bürger ihre Ersparnisse verlieren, sind neue Hungerkatastrophen, die sich aktuell ohnehin bereits anbahnen, geradezu vorprogrammiert.
Scott Snyder, Direktor des Zentrums für USA-Korea-Politik an der Asia Foundation in Washington, erwartet, dass die Umstellung einen noch massiveren Verarmungseffekt hervorrufen wird. Für die Eliten des Regimes wird die Reform wenig Auswirkungen haben, da sie den größte Teil ihres Vermögens wahrscheinlich bereits in Fremdwährung angelegt haben, so Snyder gegenüber „Radio Free Asia“.
Aber auch international hat diese Maßnahme für Nordkorea derzeit nicht abzuschätzende Folgen. Erst mit Abschluss des Geldtausches, wird Nordkorea die Wechselkurse gegenüber dem US Dollar und Euro neu festlegen. Wie es von Seiten Südkoreas heißt, werden danach beispielsweise die Löhne für nordkoreanische Arbeiter im gemeinsamen Industriepark Kaesong geändert.
Bereits im November debattierten Nordkorea – Kenner darüber, ob dem Regime ein Kollaps bevor stehe. Für Aidan Foster-Carter, welcher sich seit 30 Jahren mit der Materie Nordkorea beschäftigt, ist klar, dass der Zusammenbruch drohe. Das äußerte er bei einer Gesprächsrunde von Fachleuten, welche von der britischen Zeitung "The Economist“ geführt wurde. Er erwartet, dass es spätestens mit der geplanten Nachfolge von Kim Jong-il durch seinem Sohn, Jong-un, zu einem Ausbruch von Querelen innerhalb der nordkoreanischen Elite kommen wird, bei welcher sich Gemäßigte und Radikale gegenüberstehen.
"Ich wette darauf, dass Nordkoreas Regime nicht die nächsten fünf Jahre überleben wird", so Foster-Carter.
Er könnte Recht behalten.
Quelle: EMFIS.COM, Autor:
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