Kolumne - 10.02.10

Die Renaissance der Kernenergie in Asien

Die asiatischen Börsen mögen momentan korrigieren, das enorme Wirtschaftswachstum setzt sich dagegen ungehindert fort. Damit einher geht ein stetig steigender Energiebedarf, den die boomenden asiatischen Volkswirtschaften irgendwie decken müssen. Vor allem bei den dort ansässigen Kraftwerksbauern ist mit einem enormen Auftragsschub zu rechnen, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. 

Länder wie China und Indien, in denen der Stromverbrauch pro Jahr teilweise im zweistelligen Prozentbereich steigt, müssen sämtliche Energiequellen nutzen, um dieser Nachfrage Herr zu werden. Deshalb werden neue Kraftwerke aller Art geplant und aus dem Boden gestampft. Dies sind in vielen Fällen Heizkraftwerke, in denen fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verbrannt werden. Die Behörden sind über solche Lösungen allerdings nicht glücklich, denn fossile Energieträger werden immer teurer und müssen häufig aus dem Ausland importiert werden. Zudem sieht man auch in Asien zunehmend ein Problem in den stetig steigenden CO2-Emissionen.

Gerade die Wirtschaftsriesen China, Indien, Japan und Korea setzen verstärkt auf alternative Energien. Doch weder die überall geplanten Wind- und Solarfarmen noch die großen Wasserkraftprojekte werden ausreichen, um den stark wachsenden Strombedarf der dortigen Industrie und der privaten Haushalte decken zu können. Deswegen werden in Asien auch immer mehr neue Kernkraftwerke geplant. Die Atomenergie nimmt in den Zukunftsvisionen der asiatischen Planer geradezu eine Schlüsselposition ein. Der ehemals verpönten Kernkraft steht eine regelrechte Renaissance bevor – und diese wird hauptsächlich auf dem asiatischen Kontinent stattfinden.

Einer Studie der Investmentbank Nomura zufolge sind weltweit derzeit Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 200 Gigawatt im Bau oder in Planung. Dies ist mehr als das Doppelte der gesamten deutschen Kraftwerkskapazität. 62 Prozent dieser Kapazitäten werden in Asien errichtet werden. Allein China steht für 28 Prozent der weltweit neu zu errichten Kernkraftwerksleistung. Die dort bereits laufenden Atomkraftwerke verfügen aktuell über eine Gesamtleistung von 8,6 Gigawatt. Bis 2020 soll sich diese Leistung auf 70 Gigawatt mehr als verachtfachen.

In China, wo sich das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2009 auf 10,7 Prozent beschleunigt hat, ist die Stromversorungs-Situation besonders angespannt.  Schon seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts konnten die Versorger mit dem wachsenden Verbrauch kaum Schritt halten. Ende 2008 ergab sich hier wegen der globalen Krise eine leichte Entspannung; der durchschnittliche Stromverbrauch ging auf 8,5 Milliarden Kilowattstunden pro Tag zurück. Inzwischen hat sich die Situation aber wieder verschärft. Im November 2009 lag der Durchschnittsverbrauch bereits wieder bei 11 Milliarden KWh pro Tag, um dann in der ersten Januarhälfte 2010 auf 12 Milliarden KWh nach oben zu schnellen.

Hinzu kommt, dass die chinessiche Regierung 2009 die Schließung von älteren Kraftwerken mit einer Leistung von 60.000 Megawatt verordnet hat. Diese Kraftwerke waren überwiegend kleine und besonders ineffiziente Kohlekraftwerke. Angesichts der drängenden Umweltproblematik und der steigenden Rohstoffpreise wollte man sich in China derartige Dreckschleudern nicht mehr leisten. Allerdings müssen nun dringend Ersatzkapazitäten aufgebaut werden. Im Zuge dessen werden in erheblichem Umfang neue moderne Kohle- und Gaskraftwerke, aber eben auch zunehmend Kernkraftwerke aufgebaut. 

Die Kernenergie ist sehr kapitalintensiv, und verspricht den spezialisierten Kraftwerksbauern in den nächsten Jahren volle Auftragsbücher und riesige Umsätze. Allein China investiert in die laufenden Projekte rund 250 Milliarden Yuan, was umgerechnet rund 36 Milliarden Dollar entspricht. Hinzu kommen dann noch Wartungsverträge für den laufenden Betrieb und die nicht gering zu veranschlagenden Kosten für den Aufbau einer Entsorgungs-Infrastruktur. 

Es versteht sich von selbst, dass vor allem die asiatischen Kraftwerksbauer selbst diese lukrativen Großaufträge erhalten werden. Diese verfügen über einen weitaus besseren Zugriff auf die Versorger und Planungsbehörden vor Ort, und bauen in der Regel auch zu günstigeren Preisen. Und auch wenn einmal westliche Konzerne in Asien Kernkraft-Bestellungen erhalten, so müssen diese häufig in Ventures mit lokalen Partnern abgearbeitet werden. Der Großteil der Investitionen in die asiatische Stromversorgung fließt deshalb in die Taschen der lokalen Anlagenbauer selbst.

Für Asien-Anleger ergeben sich aus diesem Szenario enorme Chancen. Die Renaissance der Kernenergie in Asien eröffnet den involvierten Unternehmen einen Multi-Milliarden-Dollar-Markt. Besonders vorteilhaft ist dabei, dass die anstehenden Investitionen in Fernost auf jedem Fall getätigt werden müssen – unabhängig von der Entwicklung der globalen Konjunktur.

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Quelle: EMFIS.COM, Autor: (gh)


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