Kolumne -  & Wirtschaftsnews - 20.02.12

Deutsche Banken-Aktien: Jetzt kaufen?

Lieber Geldanleger,

Commerzbank und Deutsche Bank gehören aktuell auf Grund der hohen Volatilität und der gleichzeitig hohen Handelsvolumina zu den beliebtesten Aktien bei eher kurzfristig agierenden Anlegern.

Lesen Sie nachfolgend, ob die Aktien nach der jüngsten Rallye immer noch ein Kauf sind oder ob bereits neue Gefahren drohen:

Ich weiß nicht, ob ich die Analysten, die für Commerzbank und Co. Kursziele auf 10 Cent genau angeben, bewundern oder bemitleiden soll. Denn letztlich wird das faire Bewertungsniveau immer vom durchschnittlichen Bewertungsniveau des Banken-Sektors abgeleitet. Aktuell liegt dieses bei etwa drei Prozent der Bilanzsumme - und bei ca. 60 Prozent des Buchwertes.

Der eigentlich faire Wert einer Bank-Aktie in einem neutralen Marktumfeld ist ähnlich wie bei Beteiligungsgesellschaften oder Versicherungen der Buchwert. Abschläge auf den Buchwert kommen durch Unsicherheiten zustande, wie beispielsweise zu erwartende Wertberichtigungen unbekannten Ausmaßes. Aktuell steht hier natürlich die Eurokrise an oberster Stelle.

Versucht man eine faire Bewertung bzw. ein Kursziel für Bank-Aktien zu ermitteln, kann das aus meiner Sicht nur vor dem Hintergrund einer übergeordneten Prognose für die weitere Entwicklung der Schuldenkrise geschehen.

Für mich zeichnet sich hier ein recht konstruktives Bild ab: Eine Trendwende zum besseren ist eindeutig eingetreten als die EZB im Dezember vergangenen Jahres massiv interveniert und die Märkte mit Liquidität überschüttet hat.

Man schrieb den 21. Dezember 2011 als Europas Währungshüter in einer zuvor beispiellosen Aktion den Instituten für drei Jahre Geld zu einem extrem niedrigen Zinssatz von nur ein Prozent geborgt haben. Im Gegensatz zu den eher halbherzigen Angeboten zuvor, griffen die Banken in Scharen und weit stärker als von Analysten prognostiziert zu. 489 Milliarden Euro haben sie sich von der EZB geholt und damit die eigene Refinanzierung mittelfristig sichergestellt. Zuvor wurde nur für maximal drei Monate Geld verliehen.

Natürlich wurde dadurch nicht die Staatsschuldenkrise gelöst, aber der Banken-Sektor massiv stabilisiert. Bereits der Ausblick auf diesen Tender hatte die Bank-Aktien Tage zuvor stabilisiert. Das lokale Tief der Commerzbank von ca. 1,20 Euro vom 13. Dezember wurde seither nicht mehr unterschritten. Im Gegenteil: Die Commerzbank legte eine satte Rallye auf das Parkett und notiert nun wieder über 2,00 Euro.





WKN / Kürzel                  803200 / CBK
Börsenwert                    10,6 Mrd. EUR
KGV 12e/13e                  7 / 5,5
52 Wochen Hoch / Tief   5,17 EUR / 1,12 EUR
Akt. Kurs                        2,08 EUR


Nun hat die EZB für Ende Februar eine neue Kapitalspritze angekündigt. EZB-Präsident Mario Draghi hält es für möglich, dass die Banken bei diesem Tender erneut so beherzt wie im Dezember zugreifen und sich wieder um die 500 Milliarden Euro leihen werden. Das Geld muss dann in Form von Krediten an die Unternehmen weitergegeben werden. So kann die Wirtschaftstätigkeit angekurbelt werden.

Das sollte die Banken-Branche zusätzlich stabilisieren!

Politischer Rückenwind

Gleichzeitig bahnt sich für den Beginn der kommenden Woche endlich eine Lösung für das griechische Staatsschulden-Hickhack an, das mittlerweile den allermeisten Marktteilnehmern - mich eingeschlossen - zum Hals heraushängt.

Die nationalen Notenbanken des Euro-Systems sollen dann ihre griechischen Anleihen gegen neue Anleihen Griechenlands tauschen. Wichtig: Die ganze Aktion soll bereits bis Montag abgeschlossen werden.

Fast zeitgleich soll dann auch die endgültige Entscheidung der Euro-Finanzminister über das neue 130 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für Griechenland fallen.

Damit würde ein Großteil der Unsicherheit aus dem Markt weichen. Der politische Rückenwind sollten auch die Bank-Aktien weiter beflügeln.

Annäherung an den Buchwert möglich

Auch wenn diese Prognose zum jetzigen Zeitpunkt mutig ist, halte ich es daher für gut möglich, dass Commerzbank und Deutsche Bank auf Sicht von zwölf bis 18 Monaten wieder eine Bewertung der Aktie nahe des Buchwertes zugebilligt bekommen.
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Dieser Buchwert liegt bei ziemlich exakt vier Euro. Mit anderen Worten: Das Kurspotenzial liegt im angegebenen Zeitraum bei ca. 100 Prozent. Auch die niedrigen KGV-Bewertungen für 2012 und 2013 von 7 bzw. 5,5 spiegeln die aktuell attraktive Bewertung der Aktie wider.

Voraussetzung für das Eintreffen dieses Szenarios ist aber natürlich, dass von nun an alles nach Plan läuft.

Genau daran zweifeln aber schon wieder einige Experten. Die J.P. Morgan-Analysten Eugenio M. Cicconetti und Kian Abouhossein beispielsweise gehen in einer ganz neuen Analyse davon aus, dass weitere Wertberichtigungen drohen, ohne aber genau auszuführen, woher diese stammen sollen. Der bereinigte und einbehaltene Gewinn solle im vierten Quartal dadurch bei nur 300 Millionen Euro liegen.

Daraus folgern die Analysten aber, dass die zu schließende Kapitallücke bis Juni 3,3 Milliarden Euro betragen würde. Diese Zahl lässt aufhorchen, denn bisher lautete die Rechnung so:

Die European Banking Authority (EBA) hatte eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro bei der Commerzbank ermittelt. Diese soll bis 30. Juni geschlossen werden, um die geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent darstellen zu können. Die Commerzbank hatte nun vor kurzem gemeldet, dass die Sanierung sehr gute Fortschritte mache und bis zum Jahresultimo durch unterschiedliche Maßnahmen bereits drei Milliarden Euro zusammengekommen seien.

Das heißt: Eigentlich sollten nur noch 2,3 Milliarden fehlen, nicht 3,3 Milliarden. Mit anderen Worten: J.P. Morgan rechnen mit zusätzlichen Wertberichtigungen von einer Milliarde Euro bei der Commerzbank - ohne dies in der Analyse ausdrücklich geschrieben zu haben.

Könnte dies im Extremfall dazu führen, dass die Commerzbank - entgegen der jüngsten Beteuerungen - doch fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss, das Kapital der eigenen Aktionäre damit weiter verwässert und damit das obige Kursziel obsolet macht?

Theoretisch ja, aber ich glaube nicht daran. Die Commerzbank hat noch mindestens zwei weitere Geldquellen: Zum einen streicht das mit der Dresdner Bank fusionierte Institut eine höhere Dividende von der Online-Tochter Comdirect ein als zuvor erwartet wurde. Durch den guten Geschäftsverlauf schüttet Comdirect 80 Millionen Euro aus, wovon wegen der 80 Prozent-Beteiligung 64 Millionen direkt an die Commerzbank fließen.

Noch wichtiger: Die Commerzbank wird für 2011 nach HGB einen Verlust ausweisen. Dann entfallen aber die sonst zu entrichtenden Zinsen auf die in Anspruch genommene Staatshilfe in 2008. Damit spart die Commerzbank weitere 170 Millionen Euro.

MEIN FAZIT:

- Gut möglich, dass die "Gelbe Bank" das nötige Geld, um eine weitere Kapitalerhöhung zu verhindern, tatsächlich aus eigener Kraft zusammenkratzt.

- Der erneute Multi-Milliarden-Tender der EZB, der für Ende Februar angekündigt ist, und eine bevorstehende finanzielle und politische Einigung im Griechenland-Konflikt könnte die Aktie zusätzlich beflügeln.

- Ich halte daher auf Sicht von 12 bis 18 Monaten ein Kursziel von 4,00 Euro und damit eine Annäherung an den Buchwert der Aktie für nicht unwahrscheinlich - vorausgesetzt es tauchen keine neuen Hiobsbotschaften auf.


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Autor: (ab), Quelle: EMFIS.COM


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