14.07.10
Chinas COSCO kauft Griechenlands Container-Hafen, Einstieg in die Bahn?
Liebe Leser,
während die N-TV Berichterstatter von der Wallstreet einmal die Schlussglocke schlagen dürfen, ausgediente US- Ökonomen und Zeitungen wie Handelsblatt und Co. über einen möglichen Immobiliencrash in China philosophieren, gehen die chinesischen Unternehmen fast unbemerkt weltweit auf „ Shopping- Tour“. Gestärkt aus der Weltwirtschaftskrise herausgehend streben Lenovo, Huawei, ZTE PetroChina Haier und die AVIC in die globalen Märkte.
In diese Riege reiht sich nun die COSCO Pacific ein.
Ungeachtet der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und unbeeindruckt von der Krisenstimmung in Griechenland, wird die Tochter der staatlichen China Ocean Shipping (Group) mit einem 35-Jahresvertrag den griechischen Containerhafen in Athen übernehmen.
Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, zahlt der chinesische Hafenbetreiber für diesen Pachtvertrag 4,2 Mrd. US Dollar. Weiterhin wird COSCO für den Aus- und Umbau der Hafenanlage 707 Mio. US Dollar investieren. Mit diesem Ausbau will das chinesische Unternehmen eine Verdreifachung der derzeitigen Kapazität von 1,8 Millionen Container Be- und Entladungen pro Jahr erreichen.
Dieser Vertrag ist nur ein Schritt in den Bemühungen von COSCO, ein Netz von Häfen, Logistik- Zentren und Bahnen in Europa zu schaffen, um den Ost-West-Handel zu beschleunigen. Die chinesischen Produkte sollen zukünftig in Europa- und im wesentlichen Wirtschaftsraum schneller bewegt werden.
Mit dem Betrieb dieses Containerhafens schafft sich das chinesische Unternehmen eine hervorragende strategische Position in der Nähe der Meerenge des Bosporus. Der Hafen ist das Sprungbrett in Richtung der Schwarzmeer- Region, Zentralasien und Russland.
Der Plan COSCOs ist es, den Athener Hafen in die Konkurrenzposition zum Rotterdamer Containerhafen zu bringen. Für den Präsidenten der International Maritime Union, Nikolaos Arvanitis, ist der Einstieg von COSCO eine Lokomotive für die eigene Entwicklung.
Das Engagement des staatlich kontrollierten chinesischen Containerhafen- Giganten wird wohl erst der Anfang eines umfassenderen europäischen Markteintrittes sein.
So liegen bereits weitere Projekte in der Pipeline. So soll voraussichtlich noch bis Ende dieses Jahres gemeinsam mit einem namentlich nicht genannten griechischen Unternehmen ein Angebot unterbreitet werden, um in Attica für 252 Mio. US Dollar eine Logistikdrehscheibe zu schaffen. Diese Drehscheibe befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Containerhafen und soll die Waren aus China zügig über Europa verteilen.
Auch für das eher marode und angeschlagene griechische Bahnunternehmen könnten sich bessere Zeiten ergeben. Griechenland selbst kann in seiner augenblicklichen Lage das staatliche Bahnsystem kaum modernisieren.
So steht man mit den Chinesen in ersten Gesprächen. Diese scheinen nicht abgeneigt, auch hier einzusteigen und eventuell Anteile zu erwerben. Ein Einstieg würde logischerweise das Gesamtgebilde des Warenverkehrs chinesischer Produkte aus Griechenland heraus komplettieren.
Weiterhin hat COSCO bereits mit George Economou, Inhaber der DryShips, eine Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Venture mit der COSCO Bulk Carrier Division unterzeichnet.
Die Vorarbeiten für diese Vorhaben waren bereits im Juni mit dem Besuch des chinesischen Vize- Premier Zhang Dejiang in Griechenland geschaffen worden. Während des Besuches der chinesischen Delegation wurden Investitionen im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro beschlossen und durch die griechische Seite angesichts leerer Kassen dankbar angenommen.
Die Investitionen fließen vor allem in den griechischen Schiffbau, Logistik, Infrastruktur und in Telekom-Projekte.
Damit tätigt China in Griechenland die bisher größten Einzelinvestitionen in Europa überhaupt.
Man darf gespannt sein, wie sich die Entwicklung weiter vollziehen wird.
Klar ist, dass Asien und vor allem China bereits als Gewinner aus der globalen Krise herausgegangen sind.
Ein kurzer Blick zu den aktuellen Zahlen Singapurs, mit einem Wirtschaftswachstum von 18 Prozent im ersten Halbjahr, sprechen für sich und mehr muss man da wohl nicht hinzufügen.
Quelle: EMFIS.COM, Autor:
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