Wirtschaftsnews -  & Analyse - 27.01.12

Commerzbank - ein Übernahmekandidat?

Frankfurt 27.01.2012 (www.emfis.de) Die Frage, ob die Commerzbank in näherer Zukunft von einem anderen Unternehmen übernommen werden könnte, mag zunächst absurd erscheinen. 

Schließlich kämpft das Institut seit einigen Jahren schlichtweg ums Überleben. Die US-Hypothekenkrise, und später dann die Euro-Schuldenkrise, rissen riesige Löcher in die Bilanz – und nach wie vor ist nicht gesichert, ob die Bank ohne weitere staatliche Hilfen oder eine neuerliche Kapitalerhöhung die neuen Eigenkapitalanforderungen erfüllen kann. Angesichts dieser Probleme war von einem Kaufinteresse einer dritten Partei – oder gar einem Übernahmeversuch – in den vergangenen Jahren auch noch nicht einmal ansatzweise die Rede.

Doch ist das Institut für einen Käufer wirklich so unattraktiv? Immerhin handelt sich es hier nach wie vor um Deutschlands zweitgrößte Bank mit einem flächendeckenden Filialnetz und breit gefächerten Aktivitäten in nahezu allen wichtigen Finanzbereichen. Im operativen Geschäft machte die Commerzbank in den abgelaufenen Quartalen wieder eine außerordentlich gute Figur, und erwirtschaftete ansehnliche Überschüsse, obwohl die Zeiten nicht immer nur rosig waren. 

Niedriger Börsenwert – starke Marktposition 

Und auch beim Füllen der Finanzlücken kam das Institut – nach allem was wir wissen – überraschend gut voran. Zwar ist nicht auszuschließen, dass die Gesellschaft am Ende trotz aller Bemühungen doch noch einen gewissen zusätzlichen Kapitalbedarf aufweisen wird. Dieser dürfte sich vermutlich aber nur noch in einem dreistelligen Millionen-Euro-Bereich bewegen. Das wäre zwar sicherlich immer noch eine erkleckliche Summe - aber nichts, was einer der internationalen Bankenriesen nicht mit Leichtigkeit aufbringen könnte. Und auch um die Aktionärsstruktur könnte es schlimmer stehen. Ein gewisser Hemmschuh ist sicherlich der Staatsanteil von 25 Prozent. Daneben halten gleich mehrere internationale Banken jeweils noch kleinere Anteilspakete. Der Streubesitz liegt aber bei über 60 Prozent; und die gesamte Marktkapitalisierung beträgt nur noch windige 9,6 Milliarden Euro. 
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Vor allem die Staatsbeteiligung macht die Commerzbank als Übernahme-Happen natürlich etwas schwer verdaulich. Daneben dürfte sich auch das Institut selbst gegen einen Übernahmeversuch mit Händen und Füßen wehren, was auf dem immer noch sehr niedrigen Kursniveau durchaus auch im Sinne der Altaktionäre wäre. Die Vielzahl der jeweils mit Beteiligungen unterhalb von 5 Prozent engagierten sonstigen Finanzkonzerne schreckt unter Umständen auch ab. Sollte auch nur ein potentieller Interessent ernsthafte Avancen machen, dann würde sofort eine regelrechte Übernahmeschlacht einsetzen; denn die strategische Position der Commerzbank in einem der größten Wirtschaftsräume der Welt ist viel zu bedeutend, als dass sie einem Konkurrenten widerstandslos überlassen werden könnte.  

Was passiert mit der Eurohypo?

Der eigentliche Hauptgrund für die Zurückhaltung der möglichen Käufer ist aber wohl die Tochter Eurohypo. Die Bilanz der Immobilien-Finanzierung-Bank ist voll von Giftpapieren und potenziell tödlichen Risiken, und ihr Verbleib ist völlig ungeklärt. Dass die Commerzbank die ungeliebte Tochter komplett an den Staat ausgliedern kann, gilt inzwischen als ebenso unwahrscheinlich wie ein erfolgreicher Verlauf. Eine teilweise Eingliederung und Abwicklung der Bank wiederum bürdet der Muttergesellschaft neue Risiken auf – und macht möglicherweise einen guten Teil der zuletzt erzielten beträchtlichen Sanierungserfolge wieder zunichte. 

Die Eurohypo ist dementsprechend auch für die Commerzbank-Aktionäre das eigentliche Problem. Während sich die Kapitallücke sicherlich  - wenn auch auf kurzfristig schmerzhafte Weise – irgendwie füllen lässt; kann man die Eurohypo-Problematik nicht mit ein bisschen frischem Geld allein aus der Welt schaffen. Solange sich hier keine passable Lösung abzeichnet, bleibt auch die Commerzbank selbst für mögliche Käufer unattraktiv – und für die Aktionäre ein riskantes Investment.



Autor: (gh), Quelle: EMFIS.COM


 

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Relevante ZertifikateLetztes Update 23.02.2012
Name Fälligkeit Referenz Geld Brief Änderung
Commerzbank MINI Short
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