26.01.12
Uran-Aktien - signifikante Erholung wird immer wahrscheinlicher
Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus unserem kostenlosen Börsendienst EMERGING MARKETS REPORT, den Sie unter www.emerging-markets-report.de anfordern können:
Unter den Minenwerten hat es kaum einen Sektor im vergangenen Jahr so stark erwischt wie die Uran-Förderer. Noch im vergangenen Jahrzehnt gingen viele Analysten von einer „Renaissance der Nuklear-Energie“ aus, und es kam partiell zu einer regelrechten Uran-Blase.
Die Katastrophe von Fukushima setzte diesem Trend aber ein jähes Ende. Die Marktteilnehmer gewannen den Eindruck, dass die Nutzung der Atomenergie durch das Unglück auf einen Schlag weltweit indiskutabel geworden sei. Dies wirkte sich natürlich sowohl auf den Uran-Preis als auch auf die Aktien der Uran-Minenbetreiber aus. Die Kurse brachen dramatisch ein, und haben sich von dem Desaster bisher auch noch nicht wirklich erholt.
Kurssturz war eine Panikreaktion
Diese Panikreaktion der Anleger war aber wahrscheinlich stark übertrieben. Überraschenderweise wird immer mehr klar, dass die meisten Länder keineswegs gewillt sind, auf die Atomenergie künftig zu verzichten. Im Gegenteil: Die neuesten Daten weisen darauf hin, dass in den kommenden Jahrzehnten die Kernenergienutzung im globalen Maßstab nochmals deutlich ausgeweitet wird.
Daneben zeichnet sich inzwischen bei den meisten Aktien aus diesem Segment eine Bodenbildung mit einer bereits wieder nach oben gerichteten Tendenz ab. Dies deutet darauf hin, dass sich im Uran-Sektor momentan eine sehr günstige Einstiegsgelegenheit bietet.
Folgende Gründe sprechen dafür, dass die meisten Uran-Aktien in einiger Zeit wieder deutlich höher bewertet sein dürften:
• Nur wenige Länder planen, komplett aus der Kernenergienutzung auszusteigen.
• Dagegen gibt es gerade in den Schwellenländern zahlreiche Länder, die die Atomenergie teils massiv ausbauen wollen. Dutzende Kernkraftwerke werden in den kommenden Jahren neu in Betrieb gehen.
• Der Strombedarf steigt gerade in den Emerging Markets deutlich an, und die zusätzliche Nachfrage kann vorerst nicht allein durch alternative Energien abgedeckt werden.
• Die Uran-Förderung wird in den kommenden Jahren deutlich unter der Nachfrage liegen. Außerdem wird mit dem Ende des russischen „Megatonnen-zu-Megawatt-Programms“ ein wichtiger Anbieter von Uran vermutlich demnächst wegfallen.
• Zuletzt gab es im Uran-Sektor wieder etliche Übernahme-Aktivitäten. Dies deutet darauf hin, dass gerade die großen Player in der Branche von guten Zukunftsperspektiven ausgehen.
• Die weltweite Urannachfrage ist nur sehr gering von der globalen Konjunkturentwicklung abhängig.
Die einen steigen aus – die anderen steigen ein
Gerade aus deutscher Sicht drängte sich im vergangenen Jahr der Eindruck auf, dass die Kernenergienutzung endgültig zu einem Anachronismus geworden ist. Die Bundesregierung beschloss in ungewohnter Entschlossenheit den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie binnen weniger Jahre.
Daneben entschied sich auch die Schweiz dafür, keine neuen Kernkraftwerke mehr zu bauen, und in Italien wurde der von der Regierung Berlusconi beschlossene Wiedereinstieg in einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit abgeschmettert. Diese wichtigen Weichenstellungen in einigen der führenden Industrienationen schienen deutlich zu machen, dass die Zeit der Kernkraftnutzung auch in globalem Maßstab bald abgelaufen sei.
Selbst Japan nutzt weiter die Atomkraft
Das Gegenteil ist allerdings der Fall: Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit haben einige Länder in den vergangenen Monaten außerordentlich ambitionierte Atom-Programme aufgelegt. Polen beispielsweise befindet sich gerade auf Standortsuche für das erste Kernkraftwerk auf heimischem Boden, dem weitere Anlagen folgen sollen. Das Land verfolgt das ehrgeizige Ziel, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 deutlich zu senken, und gleichzeitig in der Stromwirtschaft von Energie-Importen unabhängig zu werden.
Tschechien wiederum, das derzeit 6 Kernkraftwerke betreibt, will seine Kernenergie-Kapazitäten in den nächsten 40 Jahren sogar verdoppeln – und spekuliert damit offensichtlich auch auf eine deutlich steigende Atomstrom-Nachfrage aus Deutschland. Daneben soll in Ungarn der Atomstrom-Anteil an der gesamten Produktion von derzeit 40 auf 60 Prozent ausgeweitet werden.
Und noch nicht einmal in Japan sieht man sich aktuell in der Lage, auf die Kernenergie zu verzichten. Zwar hatte sich die Regierung Kan unmittelbar nach Fukushima auf einen schnellen Ausstieg festgelegt. Der neue Premier Yoshihiko Noda erklärte allerdings nur wenige Monate später, dass die dortigen Kernkraftwerke lediglich härte Sicherheitsauflagen erfüllen müssten, und anschließend weiter betrieben werden könnten, damit die sichere Energieversorgung des Landes gewährleistet bleibe.
Über 70 neue Kernkraftwerke in China
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Die entscheidenden Kernkraft-Offensiven werden derzeit aber in den schnellwachsenden BRIC-Staaten gefahren. In China beispielsweise dachte man selbst unmittelbar nach Fukushima nicht im Traum daran, die ehrgeizigen Atomenergie-Pläne fallen zu lassen. Der Stromverbrauch im Reich der Mitte stieg in den vergangenen Jahren um rund 12 Prozent pro Jahr (!); und Peking hat allein schon mit der Verhinderung von Versorgungsengpässen alle Hände voll zu tun.
Daneben arbeitet die Regierung mit Nachdruck daran, den Anteil der Kohle-Verstromung zu senken, der derzeit noch für 80 Prozent der Strom-Produktion steht. Und obwohl das Land weltweit bereits zu den größten Produzenten von alternativer Energie zählt, sieht man sich dort außerstande, auf den geplanten massiven Ausbau der Kernenergie zu verzichten.
Dementsprechend will China weiterhin einer der weltgrößten Atomstrom-Produzenten werden; und plant zugleich auch den Aufbau einer umfassenden Nuklear-Infrastruktur mit Anreicherungs-/Lagerungs- und Wiederaufbereitungseinrichtungen. Derzeit sind dort 14 Atomreaktoren in Betrieb. Allerdings sind aktuell 26 neue Kraftwerksblöcke im Bau und mehr als 50 in Planung, so dass der Uran-Bedarf des Landes in spätestens 20 Jahren um ein Vielfaches gestiegen sein wird.
Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich in Russland, wo derzeit 10 Atomkraftwerke gebaut werden, 14 Reaktoren in konkreter Planung sind und weitere 30 Reaktoren mittelfristig hochgezogen werden sollen. Ambitionierte Pläne zum Ausbau der Kernenergie verfolgen außerdem aktuell Indien (über 60 Kernkraftwerke in den nächsten Jahrzehnten!), Brasilien, die Türkei, Großbritannien, Kanada, Südkorea, Vietnam und Saudi-Arabien.
Global gesehen ergibt sich daraus folgendes Bild: Laut der World Nuclear Association sind derzeit rund 440 Atomkraftwerke in Betrieb. 93 weitere Kernkraftwerke werden im Laufe dieses Jahrzehnts ans Netz gehen, davon 72 innerhalb der nächsten vier Jahre. Insgesamt befinden sich außerdem 156 Atomkraftwerke in konkreter Planung; für weitere 343 Kraftwerke dürften in den kommenden Jahren die Planfeststellungsverfahren beginnen.
In einem solchen Szenario von einem Niedergang der Kernenergie zu sprechen, ist realitätsfern. Vielmehr sieht alles danach aus, als würde die vielbeschworene „nukleare Renaissance“ gerade erst richtig in Fahrt kommen.
Diese vielen neuen Kernkraftwerke müssen natürlich auch mit Brennstoff bestückt werden, was mit einer entsprechend steigenden Nachfrage nach Uran einhergehen wird. Fachleute sind einhellig der Meinung, dass dieser zusätzliche Bedarf mit der zu erwartenden Uran-Förderung kaum abgedeckt werden kann. Zwar wurden im vergangenen Jahrzehnt viele neue Minenprojekte hochgezogen. Der Fukushima-Schock sorgte dann allerdings dafür, dass etliche Förderstätten kurzfristig aufgegeben wurden, oder dass die notwendigen Finanzierungen zusammenbrachen.
Dieser herbe Einschnitt ist vorerst nur schwer auszugleichen. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, dass einige Analysten bereits für die Jahre 2015/2016 mit einer drastischen Uran-Verknappung rechnen, die sich dann bis 2020 noch weiter verschärfen wird.
Kein neues Uran mehr aus Atomsprengköpfen
Bereits heute reicht die Minen-Förderung bei weitem nicht aus, um den laufenden Bedarf der Atommailer bedienen zu können. Diese Lücke wurde bisher durch das russische „Megatonnen-zu-Megawatt-Programm“ gestopft. Russland hat seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion das spaltbare Material aus insgesamt 20.000 Atomsprengköpfen zu Brennelementen verarbeitet und weiterverkauft. Allein 50 Prozent der 104 Kernkraftwerke in den USA wurden zuletzt mit Uran und Plutonium aus sowjetischen Nuklearraketen betrieben.
Allerdings läuft dieses Programm, das bisher den Markt noch reichlich versorgt hat und die Uran-Preise unten hielt, mit hoher Wahrscheinlichkeit 2013 aus. Zwar wird sich Russland mit seiner gut ausgebauten Anreicherungs-Infrastruktur weiterhin bemühen, seine Abnehmer ausreichend zu beliefern. Das dafür nötige Uran kommt dann aber plötzlich nicht mehr aus dem dortigen Atomwaffen-Arsenal, sondern muss erst in irgendwelchen Minen zutage gefördert werden.
Beginn einer neuen Übernahmewelle?
Die Aussicht auf einen weiterhin hohen Uran-Bedarf hat auch die Minenwirtschaft selbst wieder aus ihrer Erstarrung befreit. Im Herbst gab der weltgrößte Uranförderer Cameco unvermittelt ein Übernahmeangebot für den Konkurrenten Hathor Exploration ab. Cameco wollte 530 Millionen US-Dollar für das Unternehmen zahlen, was auf den damaligen Aktienkurs einem Aufschlag von 40 Prozent entsprach.
Die Offerte rief umgehend den breit aufgestellten Rohstoffriesen Rio Tinto auf den Plan, der ein noch höheres Kaufangebot auf den Tisch legte. Rio Tinto kam schließlich zum Zuge – und der Markt wurde sich schlagartig dessen bewusst, dass es in der Rohstoffwelt zumindest noch einen Big Player gibt, der dem Sektor gute Zukunftsaussichten zubilligte.
Nur wenige Wochen später griff die China Guangdong Nuclear Power Group nach Kalahari Minerals – und bot für das britische Rohstoffunternehmen fast eine Milliarde US-Dollar. Die staatliche chinesische Gesellschaft versuchte damit vor allem, sich den Zugriff auf die Liegenschaften von Extract Resources zu sichern, denn Extract betreibt die weltweit drittgrößte Uran-Mine in Namibia, und Kalahari hält an dem australischen Unternehmen 43 Prozent der Anteile.
Daneben gaben kürzlich die beiden mittelgroßen Uranförderer Energy Fuels und Titan Uranium ihren Zusammenschluss (via Aktientausch) bekannt. Weitere Interessenten, die zurzeit dringend nach Kaufgelegenheiten im Uran-Sektor Ausschau halten sollen, sind die chinesische Investmentgesellschaft Hanlong Mining und der südkoreanische Stromversorger Kepco.
Uran-Sektor immun gegen Konjunktur-Schwankungen
Die plötzliche Übernahmewelle im Uran-Sektor macht mehr als alles andere deutlich, dass gerade die Unternehmen aus der Rohstoffbranche selbst hier wieder gute Zukunftsaussichten sehen. Teilweise handelt es sich bei den Kaufinteressenten gleichzeitig auch um große Uran-Verbraucher, die schlichtweg ihren künftigen Bedarf absichern müssen. Gerade letzteres lässt aber die Aktien der Uran-Förderer wieder sehr attraktiv aussehen, zumal die Bewertungen so niedrig sind wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Es spricht einiges dafür, dass der Kursrutsch der Uran-Aktien im vergangenen Jahr übertrieben war, und dass die Titel inzwischen ihren Boden gefunden haben. Der nach wie vor hohe Uran-Bedarf verspricht auf mittlere Sicht wieder deutlich höhere Bewertungen. Ein weiterer positiver Aspekt ist außerdem die Tatsache, dass die Urannachfrage nur wenig vom globalwirtschaftlichen Umfeld und von Konjunkturschwankungen abhängt. Denn wenn Kernkraftwerke erst einmal in Betrieb sind, dann laufen sie auch in der Regel für mehrere Jahrzehnte.
Natürlich sind Uran-Aktien aber – wie nahezu alle Minen-Werte – auch mit Risiken behaftet. Selbst wenn der Uran-Preis deutlich steigen sollte, kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen etwa wegen Produktions- oder Finanzierungsproblemen davon dennoch nicht profitieren. Uran-Aktien eignen sich deshalb trotz der guten Aussichten in erster Linie zur spekulativen Beimischung.
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Autor: , Quelle: EMFIS.COM
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