Wirtschaftsnews -  & Politiknews - 15.03.11

Japans Nuklear-Drama gerät immer mehr außer Kontrolle


Tokio 15.03.2011 (www.emfis.com) Auch wenn die Reaktion von Japans Kriseneinsatzkräften nach Aussage der meisten Beobachter bisher vorbildlich war, ist es die Informationspolitik der japanischen Regierung nicht. Nur wenige Informationen dringen nach draußen und was der Weltöffentlichkeit bekannt wird, klingt sehr bedrohlich.
Am frühen Morgen hatte Regierungssprecher Yukio Edano bekannt gegeben, der Druckbehälter von Reaktor 2 in Fukushima (Daiichi) weise starke Schäden auf. Auch der untere Teil des Schutzmantels, wo sich das Kondensationskühlwasserbecken befindet, sei beschädigt. Es besteht nun die Gefahr eines erheblichen Strahlungsaustritts. Ebenso habe es in Reaktor 4 einen erneuten Brand gegeben. Die Strahlung ist inzwischen so hoch, dass die Betreiberfirma Tepco sämtliche Arbeiter außer einem Krisenteam aus den Atomkraftwerken Fukushima 1 und 2 evakuiert hat. Inzwischen sind auch erhöhte Strahlenwerte im 240 Kilometer entfernten Tokio zu messen. Wohingegen in der japanischen Hauptstadt noch keine Gesundheitsgefahr bestehen soll, forderte die Regierung die Anwohner im Umkreis von 20 Kilometern um die beiden Krisenkraftwerke auf, umgehend das Gebiet zu räumen, da die Gefahr schwerer Gesundheitsschäden besteht.
Allerdings scheint die radioaktive Strahlung weitaus stärker zu sein, als es Tokio der Welt glaubhaft machen will. Erst gestern brachen die USA und eine Vielzahl an asiatischen Ländern, wie Thailand und die Philippinen, ihren Hilfseinsatz in dem Krisengebiet ab, da das Verstrahlungsrisiko zu groß geworden sei. Der US-Flugzeugträger USS Ronald Reagen soll nach Angaben Washingtons durch eine gefährliche Strahlungswolke gefahren sein. Auf dem Schiff wurden bedrohliche Strahlungswerte gemessen. Die USA zieht jetzt ihre Kriegsschiffe aus der näheren Umgebung zurück.
Aber nicht nur über die Menge der ausgetretenen Strahlung herrscht Unklarheit, sondern auch darüber, ob eine Kernschmelze droht, ob sie abgewendet werden kann oder ob sie gar schon begonnen hat. Aus Tokio herrscht hierzu Schweigen. Experten warnen allerdings eindringlich davor, sollte der Kühlungsprozess abbrechen sei ein massiver Austritt an Strahlung nicht mehr zu verhindern. Der Fall scheint auch zumindest zwischenzeitig schon eingetreten zu sein. Wie der japanische Krisenstab einräumte, waren die Brennstäbe in Block 2 in Daiichi zwischenzeitlich komplett ohne Kühlwasser, allerdings sei es den Tepco Technikern gelungen Meerwasser einzuleiten und eine völlige Katastrophe abzuwenden.
Stark beeinträchtigt ist zurzeit auch die Stromversorgung im Land. Der Kraftwerksbetreiber Tepco befürchtet Engpässe von bis zu 10 Mio. KW pro Tag. Der japanische Atomstromanteil liegt bei 35 Prozent. Alleine die Katastrophenreaktoren produzieren 3,5 Prozent des japanischen Stromverbrauchs. Tepco begann nun mit regionalen Stromabschaltungen. In großen Teilen Tokios gingen daraufhin die Lichter aus.

Die Situation in dem Katastrophen geplagten Land scheint derweil immer dramatischer zu werden. Augenzeugen berichten von kilometerlangen Schlangen an den wenigen noch geöffneten Tankstellen des Landes. Die Benzinversorgung steht nach massiven Schäden an verschiedenen Raffinerien kurz vor dem Zusammenbruch. Auch seien die meisten Supermärkte nahezu leergekauft. In vielen Läden sei, außer Zigaretten nichts mehr zu bekommen.

Für die Wirtschaft des Landes sind die Folgen des Dramas noch nicht abzusehen. Eine Vielzahl an Unternehmen hat die Produktion vorübergehend eingestellt. Die Infrastruktur im ganzen Land und vor allem im Südosten weist schwerste Schäden auf. Japans Ministerpräsident Naoto Kan spricht von der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Derweilen liegt der Tokioter Aktienmarkt völlig am Boden. Nachdem der Nikkei am Montag bereits 6,2 Prozent verloren hatte, stürzte er heute zum Handelsbeginn direkt um 15 Prozent ab. Im Nachmittagshandel konnte sich der Markt leicht erholen und steht derzeit bei einem Verlust von fast 12 Prozent.



Autor: (th), Quelle: EMFIS.COM


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